Sicherheit

Das DAV-Kletterzentrum Stuttgart ist eine Vereinsanlage der Sektionen Schwaben und Stuttgart des DAV (Deutscher Alpenverein). Sie dient den Vereinsmitgliedern und der interessierten Öffentlichkeit als Sport- und Wettkampfstätte sowie für die Aus- und Fortbildung.

Sicherheit für die Besucher ist das wichtigste Ziel beim Betrieb des Kletterzentrums. Um dieses Ziel zu erreichen, wird in den unterschiedlichsten Bereichen gearbeitet:

Aus- und Fortbildung

Der Alpenverein legt größten Wert auf Sicherheit und sieht die Aus- und Fortbildung als eine seiner Kernkompetenzen. Ein umfangreiches Kursangebot bietet die Möglichkeit, das Können in allen Sparten des Bergsports zu erweitern. Durch die Aktionen „Sicher Sichern“ und den „DAV Kletterschein“ wurden zum Thema Sicherheit im Klettersport allgemein anerkannte Standards gesetzt.

Informationen dazu gibt es auf der Homepage des DAV.

Sicherungs-Simulator

Um die Qualität der Ausbildung weiter zu verbessern wurde in Zusammenarbeit mit der Firma Haushahn ein Sicherungssimulator entwickelt. Mit diesem Simulator ist es möglich, ähnlich wie bei einem Fahrsicherheitstraining, Extremsituationen in einem sicheren Umfeld zu trainieren.

Hier gibt es ein Informationsvideo des Simulators.

Wir freuen uns sehr über das große Interesse und auch die Anfragen zum Simulatortraining. Inzwischen ist er zu einem festen Bestandteil der Ausbildung im Kletterzentrum geworden. Zunächst wollten wir aus Gründen der Sicherheit das Knowhow erhöhen - inzwischen haben wir zusätzlich erkannt, dass sich mit dem erworbenen Wissen auch das Kletterniveau der Seilschaft steigern lässt. Das Motto ist dabei: "Ich kann nur so schwer klettern, weil Du so gut sicherst und ich Dir unbedingt vertraue!".

Es gibt Kurse der Sektionen wo der Simulator Bestandteil der Ausbildung ist. Darüber hinaus bieten wir im Kletterzentrum direkt Kurse an, wo das Simulatortraining Hauptbestandteil ist.
Hier geht es zu den Infos und verfügbaren Terminen.

Bei Interesse von Gruppen oder bei speziellen Trainingszielen freuen wir uns über eine Email. Wichtig sind dabei Angaben zur Gruppengröße, dem Ausbildungsstand, ggf. den Zielen, Terminwunsch (Tag / Uhrzeit) und eine Telefonnummer.

Technik / Wartung

Kletter- und Boulderwände Im DAV-Kletterzentrum Stuttgart entsprechen der DIN EN 12572, der europäischen Norm für künstliche Kletteranlagen. Die Ausrüstung stammt von namhaften Herstellern, die ein CE-Prüfzeichen mit entsprechender Kontrollnummer besitzen und somit den Europäischen Sicherheitsbestimmungen entsprechen.

Es existiert ein umfangreicher Maßnahmenkatalog, um die technische Sicherheit jederzeit zu gewährleisten. Pro Jahr werden ca. 700 neue Kletterrouten geschraubt. Beim Routentausch werden alle Griffe entfernt, in einem Ultraschallbad gereinigt und erst nach einer Sichtkontrolle wieder neu verschraubt. Größere Module werden mit zusätzlichen Fangleinen hintersichert.

Obwohl die Betriebsführung des Kletterzentrums selbst sachkundig und Mitglied des Expertengremiums für künstliche Kletteranlagen des DAV ist, wird die gesamte Kletteranlage jährlich durch unabhängige externe Experten überprüft, um eine mögliche Betriebsblindheit zu vermeiden. Darüber hinaus werden sämtliche Routen, Sicherungspunkte und Wände einer regelmäßigen, operativen Kontrolle unterzogen. Täglich kommen visuelle Kontrollen hinzu.

Verschleißteile, wie z.B. die Expressschlingen, werden auch dann in regelmäßigen Abständen präventiv getauscht, wenn keine relevanten, sichtbaren Verschleißerscheinungen aufgetreten sind.

Trotz dieser umfangreichen Maßnahmen können künstliche Klettergriffe sich jederzeit unvorhersehbar lockern oder brechen und dadurch den Kletternden und andere Personen gefährden oder verletzen. Es wird keine Gewähr für die Festigkeit der angebrachten Griffe übernommen.

Auch in der Anlagentechnik ist das Kletterzentrum besonders gut ausgestattet. Eine Notbeleuchtung sämtlicher Bereiche sorgt auch bei Stromausfall für die nötige Sicherheit. Ergänzt wird diese durch eine Rufanlage im Innen - und Außenbereich sowie den technischen Einrichtungen für einen Helikoptereinsatz.

Risiko

Klettern wird in Medien teilweise als besonders riskant dargestellt. Unfälle - selbst dann wenn sie glimpflich enden - werden in vielen Städten als Sensation ausgeschlachtet. In Stuttgart wird dies glücklicher Weise differenzierter wahrgenommen. Klettern in künstlichen Kletteranlagen ist sicherer als die Ausübung vieler andere Sportarten. Allerdings werden deren Risiken gesellschaftlich akzeptiert und z. B Unfälle beim Ski- oder Radfahren als unvermeidlich akzeptiert.

Seit Eröffnung der Kletterhalle im Jahr 2005 werden alle Einsätze eines Rettungswagens detailliert untersucht und dokumentiert. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Volker Schöffl, dem medizinischen Experten im Klettersport, wurden in einer vielbeachteten Studie über 500.00 Kletterhallenbesuche der Jahre 2007 bis 2011 untersucht. Dabei konnte mit 0,02 Unfällen pro 1000 Stunden klettern ein sehr geringes Unfallrisiko dokumentiert werden. Im Vergleich zu anderen Sportarten, die oft nicht als riskant wahrgenommen werden, wies der Klettersport eine geringere Unfallinzidenz mit einer relativ niedrigeren Unfallschwere auf (Fußball bei 3-5 Unfälle / 1000 Std, Eishockey 83 / 1000 Std) (Int J Sports Med. 2011 Oct;32(10):794-800. Epub 2011 Sep 12).

Die seltenen Unfälle sind den Kletterern bekannt. Daher besteht die Gefahr, das Risiko völlig zu vergessen und unkonzentriert zu werden. Fast jede Sportart bietet das Risiko schwerer Verletzungen, wenn man Fehler macht oder sich selbst überschätzt. Dies gilt auch für das Klettern! Wer sichert oder klettert muss ausreichend geschult sein und mit ganzer Aufmerksamkeit bei der Sache sein!

Mitarbeiter

Unser Personal wird in regelmäßigen Schulungen weitergebildet. Alle Mitarbeiter sind selbst Kletterer und können daher sicherheitsrelevante Sachverhalte im Kletterbetrieb besser beurteilen. Darüber hinaus stehen sie auch als Ansprechpartner in Sicherheitsfragen zur Verfügung. Um im Falle eines Un- oder Notfalls möglichst optimal reagieren zu können, nehmen alle Mitarbeiter regelmäßig an speziellen Schulungen teil. Das Kletterzentrum verfügt über ein erweitertes Notfallset und einen eigenen Defibrillator.

Kunden / Verantwortung

Die wenigen Unfälle in einer Kletterhalle sind, ähnlich wie im Straßenverkehr, oft auf eine kurze Unachtsamkeit zurück zu führen. Daher sind diese durch das Personal ohne Unterstützung nicht zu verhindern. Im DAV-Kletterzentrum Stuttgart hat sich ein verantwortungsvolles Miteinander von (Stamm-) Kunden und Mitarbeitern entwickelt. Das Team des Kletterzentrums bittet auch weiterhin um Rückmeldungen direkt bei diesen Personen oder beim Personal. Dies gilt auch für andere Auffälligkeiten, die sicherheitsrelevant sein könnten (z.B. angebrochene Griffe, Schäden an Schlingen oder Seilen, ….) Informieren Sie uns lieber zu früh als zu spät!

Wichtig ist auch, das eigene Verhalten immer wieder kritisch zu hinterfragen. Unfalluntersuchungen belegen, dass gerade Routine und mangelndes Risikobewusstsein Gefahrenquellen sind.

Innovation

Das DAV-Kletterzentrum Stuttgart gehört zu den größten Kletteranlagen weltweit. Es dient anderen Anlagen als Maßstab für die Standards. Den Verantwortlichen war es immer ein Anliegen nicht nur hohe Standards zu entwickeln, sondern auch in allen Bereichen Weiterentwicklungen zu initiieren bzw. zu realisieren. Griffereinigung mit Ultraschall, Innovative Luftfilterungen, Energierückgewinnung aus der Abwärme der Kletterer, Sicherheitsstudien, Notfallpläne, neuartige Umlenker, sicherere Griffe, verschleissarme Seile und Expressschlingen, Normung von Kletterwänden, Griffen, Bouldermatten - alles Themen, bei denen das Kletterzentrum in den vergangenen Jahren Entwicklungsarbeit geleistet oder unterstützt hat.

Abgeschlossene Entwicklungen wurden auf Tagungen vorgestellt bzw. in die Normungsausschüsse eingebracht. Im Rahmen des Consultings können andere Kletteranlagen heute von diesem Knowhow profitieren.

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